September 2012
Ich pflege ja seit Jahren schon Chaca chaca aber manchmal hat man irgendeine Eingebung und tut Dinge zu einem bestimmten Zeitpunkt, die man sich später gar nicht so genau erklären kann... Obwohl ich vor Jahren schon mal schlechte Erfahrungen mit einer Höhle im Chaca chaca-Becken gemacht hatte (der diese Höhle beziehende Wels ging nicht mehr gut ans Futter) bin ich auf die Idee gekommen, mal wieder eine Höhle auf den Sand der Chacas zu legen. Eine geräumige Höhle aus schwarzem Ton, in der durchaus zwei Chacas Platz haben dürften, wobei der Eingang aber so eng ist, dass er von einem einzelnen Chaca gut verteidigt werden könnte....

Schon kurze Zeit später hielt sich einer der drei Chacas nur noch in der Höhle auf, kam aber zum Fressen immer an den Eingang und erwischte dort sein Lebendfutter.

Zwischendurch habe ich immer wieder mal in die Höhle geschaut und eines Tages waren zwei Chacas darin - der eine lag etwas schräg in Längsrichtung auf dem anderen, der zweitere atmete dabei heftiger....

Am nächsten Tag war wieder nur ein Chaca in der Höhle.

09.10.2012
Beim Leuchten mit der Taschenlampe sehe ich plötzlich viele Eier hinten in der Höhle auf dem Boden verteilt (siehe Foto oben). Die Eier haben in etwa die Größe von Ancistrus-Eiern. Große Überraschung und Freude! Sollte ich endlich mal das Glück einer Nachzucht von Chaca chaca haben?

Bei genauerer Betrachtung sehe ich außerdem, dass der zweite Chaca - ich nehme an, dass es der ist, der den Nachwuchs mit gezeugt hatte - vor dem Höhleneingang im Sand eingegraben liegt.
Ich weiß nichts über unterschiedliche äußere Geschlechtsmerkmale bei dieser Species. Das Liegen auf den Eiern kann man wohl schon als Brutpflege verstehen.

Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass aus den Eiern demnächst auch Larven schlüpfen werden. Ich rechne, was die Ernährung der Brut betrifft, eigentlich nicht mit Problemen, weiß aber gar nichts über etwaigen Kannibalismus der Elterntiere gegenüber ihrer Brut und auch nichts über das diesbezügliche Verhalten der Brut untereinander.......

12.10.2012
Routinemäßiger Kontrollblick in die Höhle. Die Eier sind noch da, das Elterntier auch. Allerdings hat er sich diesmal auf den Rücken gedreht und ich habe schon Angst, dass der Wels im Sterben liegt. Aber dann sehe ich, dass die ganze hintere Decke der Höhle ebenfalls mit Eiern bedeckt ist!

Situation zur Nacht: Der Höhlen-Chaca versperrt mit seinem breiten Maul von innen den Eingang zur Höhle. Quer vor dem Höhleneingang liegt der vermutliche Geschlechtspartner auf dem Sand. Weiter hinten im Becken liegt Chaca chaca Nummer drei auf dem Sand.

13.10.2012
Die Eier an der Höhlendecke sind länglich - anders als die auf dem Höhlenboden - und an der Unterseite sind schon kleine, wedelnde Schwänze zu sehen. Einige wenige Eihüllen hängen leer an der Decke. Herumschwimmende Chaca-Larven kann ich aber auch bei längerer Sucherei nirgends entdecken. Wenn der eine Chaca die Höhle bewacht, wird er vermutlich seinem geschlüpften Nachwuchs nichts antun (beschwichtige ich mich). Aber ich weiß nichts über das Verhalten der Brut nach dem Schlupf. Ich hoffe, dass sie nicht fluchtartig die Höhle verlassen und dann eventuell ins Beuteschema des dritten Chaca passen...

Ja, ich weiß, ich müsste den dritten Chaca umsetzen, aber haben Sie mal plötzlich ein zusätzliches Aquarium (eingefahren und groß genug) zur Hand, wenn Sie mit dieser Situation überhaupt nicht rechnen konnten! Alle anderen Becken sind mit Fischen besetzt, die sofort einem Chaca als Beute dienen würden oder mit Fischen (großen Panaque o.ä.), die einen Chaca chaca abraspeln würden - ist hier schon passiert!
Außerdem habe ich keine Ahnung, wie Chaca Nummer zwei auf seine Brut reagieren würde. Immerhin wird er permanent aus der Höhle ferngehalten.

Ein kleines Aufzuchtbecken ist schon eingerichtet und eingefahren, ich muss wohl "nur" noch den geeigneten Moment des Schlüpfens erwischen.

Bei nochmaligem Beobachten sehe ich: auch die Larven auf dem Höhlenboden "schwänzeln"!

Chaca chaca Nr. 3 habe ich jetzt doch sicherheitshalber umgesetzt.

15.10.2012
Ein paar Larven liegen zuppend auf dem Boden der Höhle. Der große Rest befindet sich nach wie vor hinten an der Höhlendecke. Eine Larve hängt aber oben im Höhleneingang. Diese Gelegenheit lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Ich fange sie heraus und setze sie erstmal in eine kleine Perischale, um endlich mal eine genauere Darstellung zu fabrizieren.

Diese Larve wird danach als erste in das Aufzuchtbecken umgesetzt.

16.10.2012
Morgendlicher Kontrollblick: Alle Larven sind weg!

Der eine Altwels liegt immer noch in der Höhle. Vor dem Höhleneingang befindet sich eine dicht gedrängte Ansammlung von Posthornschnecken. So verhalten die Schnecken sich nur, wenn dort eine reichhaltige Nahrungsquelle ist oder war...
Mit denen hatte ich nun nicht gerechnet.
Andererseits befindet sich der zweite Altwels zum ersten Mal seit der Eiablage nicht mehr in der Nähe der Höhle.

Im Moment weiß ich nicht, wie ich die Situation richtig deuten soll.

Ich entdecke dann doch noch fünf bis sechs Larven an der Höhlendecke und setze sie sofort in einen Netzlaichkasten um, der gut durchlüftet im vorbereiteten Aufzuchtbecken hängt und keine Schnecken durchlässt.

Immerhin weiß ich aber nun, dass ich unter den Chacas beide Geschlechter habe und setze somit die leere Höhle wieder zurück ins Elternbecken und hoffe, dass sie es bald nochmal machen werden.

17.10.2012
Zwei Tage später beginnt langsam die Pigmentierung der verbliebenen Larven.

19.10.2012
Nach weiteren zwei Tagen. Die beiden übergroßen Barteln links und rechts des Oberkiefers fallen mir hier besonders auf.

20.10.2012
Sie tun es schon wieder! Beide Chacas sind in der Höhle; einer von ihnen mit dem Bauch zum Höhlendach auf dem Rücken des anderen liegend.

21.10.2012
Die Larven sind jetzt 1 cm lang und ähneln schon sehr den erwachsenen Chacas. Reste vom Dottersack sind noch zu sehen. Ich denke, dass die Ersternährung durch mich mit Tubifex erfolgversprechend sein müsste.

22.10.2012
Die Larven schwimmen teilweise schon durch die Gegend, eine sehe ich dabei ständige Schnappbewegungen machen. Mein erstes Angebot einer ganz kleinen Menge Tubifex wird aber noch ignoriert. Vielleicht reagieren die Larven ja auf deutlichere Bewegungen - ich setze ein paar Daphnien dazu, die in der Gegend herumzuppen - kein Interesse bei den Chaca-Larven. Nun gut. Die Bäuche sind ja ohnehin noch deutlich nach außen gewölbt.
Ob ich sicherheitshalber Artemien ansetzen sollte?

23.10.2012
Angesichts des Aussehens und der Größe der kleinen Chacas kommt es mir zwar etwas albern vor, aber um mich in alle Richtungen abzusichern, habe ich vorsichtshalber doch Artemien angesetzt. Dazu kommt noch die mich beruhigende Feststellung, dass die Endler-Guppies Nachwuchs bekommen haben!
Ich weiß nichts über die Größe der kleinen Chacas zu dem Zeitpunkt, wenn sie zum ersten Mal auf Jagd gehen werden, aber nach meinen bisherigen Aufzuchtserfolgen verschiedener Fischarten denke ich, dass ich mit Artemien, Daphnien, Tubifex, Enchyträen und frisch geschlüpften Guppies auf der sicheren Seite sein müsste.
Alleine wenn ich daran denke, wie die ausgewachsenen Chacas mit großen Tauwürmern praktisch als Laokoon-Gruppe erfolgreich sind, übersetze ich mir diesen Anblick am liebsten in Richtung Chaca-Larven und Tubifex......

Neue Fotos von den Kleinen:

24.10.2012
Unruhig wie ich nun mal bin was das Weiterkommen der kleinen Chacas betrifft, teste ich sie vorsichtig mit ein paar frisch geschlüpften Guppies - nix da, keine Reaktion der Chacas! Selbst dann nicht, wenn ein Kleinstguppy mal fast mit einer Kleinstchaca-Schnauze zusammengestoßen ist.

Derweil haben sich die Alttiere ohne erfolgtes Ablaichen wieder getrennt - ein Tier in der Höhle, eins unmittelbar davor.

Zwei angebotene Tauwürmer werden von beiden angenommen, mehr aber nicht.
Man kann hier die leichte äußere Farbanpassung an die Umgebung erkennen: Das Tier in der Höhle ist deutlich dunkler als dasjenige, das draußen auf dem hellen Sand liegt. Vor meiner Zurverfügungstellung der Tonhöhle ist das nämlich nicht der Fall gewesen.
Wenn mir meine Fantasie kein Schnippchen schlägt, erkenne ich bei dem Tier vor der Höhle einen Laichansatz; bei dem Höhlentier nicht. Bis es zu einem etwaigen Gegenbeweis kommen sollte, werde ich deshalb ab jetzt in meinen Beschreibungen die Geschlechter folgendermaßen zuordnen: Der Chaca chaca in der Höhle ist das Männchen, das auch die Brutpflege nach dem Ablaichen betreibt und der andere Chaca chaca ist demzufolge das Weibchen, das vom Männchen in der Bruthöhle erwartet wird und nach Ausbildung des Laichs in der Höhle ablaicht.

25.10.2012
Bingo!
Von den frisch geschlüpften Guppies fehlt einer! Ich suche noch ein Weilchen, aber es sind wirklich ein Guppy weniger als vorher. Die anderen Guppies schwimmen auch bezeichnender Weise dicht unter der Wasseroberfläche, also weit weg von den kleinen Chacas.
Ich entschließe mich zu einem weiteren Tubifex-Test und siehe da - mir bleibt fast das Herz stehen - ein Chaca bewegt sich aktiv auf das kleine Tubifex-Knäuel zu und rupft sich energisch einen und dann noch einen Wurm aus dem Häufchen, bis er einen dicken Bauch hat!
Die anderen zeigen noch keine Reaktion in Richtung Futteraufnahme...

27.10.2012
Nachdem ich nun auch den erfolgreichen Angriff auf eine Rote Mückenlarve miterleben durfte, muss ich mir über die Ernährung der winzigen Chacas keine Sorgen mehr machen: Alles, was sich bewegt und in etwa ins Maul passen könnte, wird von den Kleinen mutig angegriffen und gefressen - ganz so, wie ich das ja von ihren Eltern (in anderen Dimensionen allerdings) schon kenne.
Das Einhängenetz, in dem sich die Brut aufhält, hat eine Maschengröße, die nur Tubifex und ganz schlanken Roten Mückenlarven gestattet, sich in den Netzboden zu bohren und damit langsam in das umliegende Becken zu entkommen. Ein paar Würmer aus dem heute von mir angebotenen Knäuel Tubifex machten sich auch sofort ans Flüchten, aber ohne mit den Chacas gerechnet zu haben! Ein Wurm wurde gleich mit einem Schlusssprung-Angriff geschnappt und dann, weil er sich ja schon teilweise durch den Netzboden gezwängt hatte, mit energischem Ziehen und mit krokodilähnlichem Drehen um die eigene Längsachse aus dem Boden gezerrt und dann - so habe ich das auch von diversen Echsen in Erinnerung - in die "Luft" geschleudert und mit dem Maul wieder aufgefangen.

Die Eltern währenddessen, vertreiben sich in ihrer Höhle die Zeit damit, nach Ying & Yang-Muster nebeneinander verschlungen, untätig auf dem Höhlenboden herumzuliegen. Ihr gegenwärtiges Verhalten ist mir immer noch ziemlich unklar:
Mal liegen beide nebeneinander, mal übereinander, mal Rücken an Rücken....das geht jetzt schon sieben Tage so. Putzen des Ablaichuntergrundes ist das wohl eher nicht. Vielleicht bringen sie sich in Laichstimmung während der Laich erst im Körper des Weibchens heranwächst.

11.11.2012
Nach knapp vier Wochen sind die Kleinstchacas inzwischen fast 3 cm lang, wohlgenährt und sehr flink im Flüchten, wenn mal wieder ein großer Löffel von oben herunter kommt, um die Tiere zu einem Fotoshooting herauszuheben. Der erste blieb in der Petrischale auf dem Rücken liegen, bis die lästige Prozedur vorüber war...


Trotz sehr hellem Untergrund sind die kleinen Chacas nach vier Wochen immer noch sehr dunkel gefärbt.

1.12.2012
Nach nunmehr sieben Wochen fangen sie an, sich heller zu färben.

16.12.2012
Sie sind jetzt an die 4 cm groß und ziemlich kregel. Ich halte sie immer noch in dem Einhängesieb weil ich befürchte, dass ich außerhalb im Sand ihre Futteraufnahme nicht mehr so effektiv überwachen kann.



Bei näherer Betrachtung der Haut der Chacas kann ich diverse fast kreisrunde Zeichnungen/Öffnungen auf der Haut des Vorderkörpers entdecken, die ich vorher - auch bei den ausgewachsenen Chacas - wohl immer übersehen hatte. Ich habe sie im zweiten Bild mal gelb gefärbt. Da die Chacas immer sehr zielgerichtet und ziemlich effektiv reagieren, wenn sich von hinten über ihrem Körper ein Beutelebewesen der Schnauze nähert, könnten diese Punkte durchaus Sensorenfunktion haben, aber das sollte Gegenstand gründlicherer Untersuchungen sein.....

Ich denke, trotz des mysteriösen Verschwindens der Brut nach dem Freischwimmen (bis auf wenige Exemplare), ist es insgesamt eine erfolgreiche Nachzucht des Chaca chaca geworden. Ich werde weiterhin sorgfältig beobachten um herauszufinden, wie die Geschlechter korrekt zuzuordnen sind und werde natürlich auch mal ein komplettes Gelege großziehen, um den Anblick von hundert der allerliebsten Mini-Monster zu erleben.

20.12.2012
Während des Wasserwechsels habe ich alle drei Babies sozusagen ins Freie gesetzt. Im Aufzuchtbecken sind sie nun nicht mehr im Einhängenetz, sondern direkt im Becken mit Sandboden. Und es hat genau anderthalb Minuten gedauert, bis sich der erste von ihnen ganz nach Methode der Eltern kopfüber in den Sandboden gewühlt hat. Die Kontrolle ihrer Nahrungsaufnahme wird dadurch schwieriger, aber ich habe die Guppy-Brut der letzten Wochen ebenfalls in das Becken gesetzt.......

23.12.2012
Zwei von ihnen sind immer auf dem Sand zu sehen, einer nicht. Von der eingesetzten Guppynachzucht sind inzwischen nur noch zwei Exemplare (von ca. 15) übrig geblieben. Sogar der einzige halbwüchsige Test-Neon Paracheirodon simulans wurde offensichtlich gefressen, was schon eine ziemliche Leistung ist, angesichts der Maulgröße der Chacas.

Für Interessenten der Wasserwerte:

24°C - pH 7,5 - 900 µS

24.06.2013
Inzwischen sind die Nachwüchslinge an die 9 cm lang und fressen gut.

06.07.2013
Seit drei Tagen sind wieder die Alttiere in der Höhle. Heute habe ich gesehen, dass sie beide mit dem Bauch zur Höhlendecke übereinanderliegend verharren. Eier sind aber noch nicht zu entdecken.

08.07.2013
Langsam werden jetzt wohl die Eier verteilt und an die Höhlenwände geklebt. Sie liegen jetzt Rücken an Rücken, einer von beiden mit dem Bauch zur Höhlendecke und ich kann vier Eier an einer Seitenwand entdecken.

Ein paar Stunden später sind viele Eier in der Höhle verteilt zu sehen - nur an der Decke nicht!

13.07.2013
Nach einer knappen Woche ist die Bruthöhle wieder nur mit einem Chaca chaca besetzt und nur die wenigen Eier/Larven, die an der Decke geklebt haben, sind noch da. Alle anderen sind verschwunden.

Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie die Brut - und vor allem, welche aus welchen der überall verteilten Eier - überlebt.

25.12.2013
Sie "kuscheln" schon wieder! :-)

29.12.2013
Ein bisher unbekanntes Szenario: Der Höhlenbewohner-Chaca liegt im Höhleneingang und davor liegen dicht gedrängt, teils übereinander, die anderen beiden (um in die Höhle gelassen zu werden?).

06.08.2014
Heute hat sich einer der Nachwüchslinge beim fressen fast übernommen! Es dauerte eine halbe Stunde, bis er soweit war, wie auf dem letzten Foto zu sehen ist.

16.06.2015
Der Nachwuchs ist inzwischen gewachsen und ist schon imstande, ausgewachsene Tauwürmer zu fressen. Allerdings sind die Tiere erst ungefähr halb so groß, wie die Elterntiere. Ich habe mit ihnen auch endlich eine zuverlässige Dezimierungsmethode für die in anderen Aquarien manchmal überhand nehmenden Garnelen. Sie fressen die Garnelen und seien sie noch so winzig. Das ergibt bestimmte abwechslungsreiche Nährstoffe jenseits der bisher hauptsächlich aus Fischen und Würmern bestehenden Nahrung.

Klaus Dreymann