Meine "Ringelsöckchen" Der L 204, Panaqolus spec.

Zur Gattung Panaqolus:
Panaqolus heißt soviel wie "kleiner Panaque". Neben der Körpergröße unterscheidet sich der Panaqolus in einigen anderen Merkmalen vom Panaque, wie beispielsweise durch etwas mehr Hautzähnchen, die Kopfform und einem recht auffälligem sekundärem GU. Männliche Gattungsvertreter in Brutstimmung entwickeln verlängerte Interopercular- Odontoden, sowie lange Hautzähnchen auf dem Hartstrahl der Brustflosse und auf dem Hinterkörper. (Quelle: Datz- Sonderheft Harnischwelse 2)

Demnach schwimmen in meinem Becken ziemlich eindeutig 2 Männchen und ein Weibchen. Ich weiß nicht, ob es Zufall ist oder durch die Odontoden so wirkt, aber ich bilde mir ein, dass mein Weibchen wesentlich schöner gezeichnet ist. Die goldenen Linien sehen noch ähnlich hübsch aus, wie bei einem juvenilen Tier.

Aussehen:

Der L 204 ist gerade im juvenilen Alter äußerst hübsch gezeichnet: goldene Linien auf schokobraunen, fast schwarzem Untergrund. Die Zeichnung verblasst im Alter zunehmend. Die Linien verwaschen insbesondere bei den Männchen. Von so manch einer Linie bleiben auch nur Punkte übrig, was aber wieder ganz reizvoll aussehen kann. Bei meinem Weibchen war das der Fall. Zwar hat sie immer noch eine recht auffällige Färbung, aber manche Linien verschwanden stellenweise. Besonders schön ist die Schwanzflosse mit lang ausgezogenen Verlängerungen. Die Flossen werden im allgemeinen immer sehr stolz getragen. Die Männchen werden am Hinterkörper ganz schön stachelig. Sieht aus wie 3 oder 4 Tage nicht rasiert. Wenn man sie mit der Hand fängt, piekst das ein bisschen. ;-) Ausgewachsene Tiere sind um die 20 cm groß.


Die Heimat der L 204:
Die L 204 kommen aus dem Rio San Alejandro in Peru, einem schwach getrübten Klarwasserfluss, der in den Ostanden entspringt und über den Rio Aguaytia in den Rio Ucayali entwässert. Es handelt sich in weiten Bereichen um die Stadt San Alejandro um ein sehr flaches aber schnell fließendes Gewässer. Vor allem an den Ufern befinden sich viele Stellen, an denen die Strömung jede Menge abgestorbenes Holz zusammengetragen hat. Holzbewohnende Harnischwelse konnten überall dort angetroffen werden, wo das Wasser etwas schnellfließender war. Bei einer Messung (Zeitpunkt: Ende September) konnten folgende Werte festgestellt werden: PH: 8,4 (?), Leitwert 190 mS/cm, Temperatur 30C (im Flachwasser).(Quelle: Welsatlas)

Meine Hälterungsbedingungen:
Ich halte meine Rasselbande in einem 150x50x60 Aquarium mit viel Holz und zahlreichen Versteckmöglichkeiten. Das Aquarium ist so gut wie möglich bepflanzt. Werte: PH 6,6 /KH2 /GH5 /Leitwert230mS /Temperatur: 28C Neben den 3 L204 wohnen im Moment noch zahlreiche Corydoras panda, ein Pärchen Apistogramma macmasteri, ein Panaque L 191, ein Peckoltia L121, ein Ancistomus L 75, 3 Dicrossus und 3 Diskus(die bald umziehen werden) in dem Becken.

Ernährung:
Die Gattung Panaqolus gehört zu den Holzfressern. Ihr Bezahnung eignet sich sehr gut zum Holzraspeln. Sie sind aufgrund einer speziellen Bakterienfauna im Darm in der Lage Holz als Nahrung aufzuschließen. Das Vorhandensein von Moorkienholz ist für diese Gattung besonders wichtig. Pflanzliche Kost sollte zugefüttert werden. (Quelle: Ernährungsfragen bei Harnischwelsen, www.aqua-global.de) Meine Ringelsocken kleben ständig an einer Wurzel. Bevorzugt abgeraspelt werden Moorkienholz und Wurzeln aus dem Moor. Manchmal schrubbt aber einer auch das Steinholz, welches eigentlich nur zwecks Unterschlupf im Becken ist. Wahrscheinlich ist der Aufwuchs darauf interessanter als das Holz selbst, wobei man schon Raspelspuren entdecken kann. Dementsprechend liegen auch überall feine Holzspäne herum. ;-) Es sieht ein bisschen aus wie in einem Sägewerk. Saubere Arbeit! Gemüse lieben die kleinen verfressenen Biester auch. Fast alles, egal ob Zucchini, Salatblätter, Gurke, Kartoffelscheiben, Algenblätter, etc. wird restlos weggeputzt. Und wenn es meiner Bande zu wenig war, vergreifen sie sich halt an den Echinodoren und Anubias. Ich habe sie schon oft auf frischer Tat ertappt. Was soll's. So etwas ist Mundraub und fällt unter Kavaliersdelikte. ;-) Futtertabletten werden auch nicht verschmäht. Ganz schön hungrig, die Kleinen. Leider beteiligen sie sich an jeder Fütterung und beschränken es nicht auf den für sie vorgesehenen Speiseplan. Für sie geht nichts über Granulat. Frostfutter jeder Art wird auch aufgesaugt. Das ist nicht so optimal, da sie auf diese Weise leicht verfetten können. Das sind eben die Nachteile, wenn man seinen Tieren kein Artenbecken bieten kann.

Verhalten:
Meine L 204 sind auch tagsüber aktiv. Sie raspeln Holz, streifen durchs Becken und wenn sie Futter riechen sind sie sowieso sofort da. Manchmal liegen sie auch nur faul in ihren Höhlen oder unter Steinen und Wurzeln herum. Ab und zu hat mal einer die Idee nachts Fluchtunnel zu graben. An der Bodenscheibe angekommen merkt der Ausbrecher dann wohl, dass es sinnlos ist. ;-) Auch Steinaufbauten im Sandbereich werden gerne durch graben noch weiter individuell gestaltet. Im Grund genommen sind meine, insofern jeder sein eigenes Revier hat und es genügend Verstecke für alle gibt, recht friedlich...wenn auch nicht ganz friedlich. Bei Streifzügen im Becken kann es, wenn sich zwei Tiere begegnen zu recht heftigen Schauspielen kommen, die jedoch alle harmlos verlaufen sind. Treffen zwei Tiere aufeinander, flieht der Rangniedrigere sofort und das ist auch besser so. Denn das überlegene Tier zögert nicht lange. In einer blitzschnellen Bewegung schwimmt es auf den Gegner zu und versucht ihn zu boxen oder ihm mit dem Hinterkörper einen Schlag zu verpassen. Dieses Verhalten gilt nicht nur für die L 204er untereinander. Das hat besonders mein trotteliger, kleiner L 121 schon zu spüren bekommen, der einmal unsanft gegen eine Wurzel geschleudert wurde. Während der Fütterung geht es natürlich besonders heiß her. Die L 204 hauen sich gegenseitig und fast alle anderen Welse. Selbst Coryschwärme werden unsanft aufgemischt indem man einfach mit Schwung hineinschwimmt. Nur der Nigrolineatus wird von niemandem belästigt und ist selbst ganz gemächlich und sowieso nicht so verfressen.
Eine Zeit lang war bei meinen L 204- Männern nicht so ganz klar, wer denn nun der Stärkere ist, bzw. wer denn Ansprüche auf ein anscheinend besonders beliebtes Revier hat. Die Kämpfe waren in dieser Zeit so heftig und langandauernd, dass ich bereits mit dem Gedanken spielte, die Streithähne zu trennen. Besonders als der Verlierer feststand und man diesen trotzt allem über Tage nur noch in Schreckfärbung durch das Becken huschen sah. Ich beschloss erst einmal ein paar Verstecke mehr zu bauen und siehe da: es ging!
Ich halte 3 L 204er zusammen mit einem L 191, einem L 121 und einem L 75 in einem 150x50x60 Becken mit sehr vielen Wurzeln und Steinaufbauten. Es ist noch kein Tier dabei ernsthaft zu Schaden gekommen auch wenn es manchmal nicht ganz friedlich abläuft. Allerdings waren vor ein paar Monaten noch 3 L 134 im Becken. Die Tiere habe ich in ein anderes Becken umgesetzt, da die L 204er so ruppig zu ihnen waren, dass sie sich kaum mehr aus ihren Verstecken getraut haben, obwohl sie früher, als die L204 noch klein und unschuldig waren, recht aktiv waren. Andererseits pflegt ein Freund von mir einen L 204 (vermutlich ein Weibchen) ohne jede Probleme. Das Tier verhält sich bei ihm eher scheu und zurückhaltend, was ich von meinen nicht gerade behaupten kann. Es ist wohl so wie bei den Menschen auch. Nicht jeder verhält sich gleich. Manche sind freundlicher und friedliebender als andere.

Anita Ahmad


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