Die schönste Kröte
© by K.Dreymann

Es war einmal eine Kröte genauer gesagt eine Erdkröte.
Sie war dick und fett mit großen goldenen Augen und vielen Warzen auf ihrer runzligen Haut und einem großen Maul, unter dem es oft gluckste und schluckte, kurz gesagt, es war wirklich eine ganz besonders schöne Kröte.
Sie sah auch oft in den Spiegel, weil es für junge Erdkröten sehr wichtig ist, schön zu sein und sie fragte manchmal ihre Eltern, und ihre Eltern sagten ihr immer, daß sie schön sei und sie nahmen sie dabei in die Arme und streichelten ihre beiden großen Warzen am Hinterkopf.

In den nächsten Jahren hatte die Kröte wichtigere Dinge zu erledigen, als ständig in den Spiegel zu sehen. Sie übte den besonders raffinierten Fang von vorbeifliegenden Insekten und entwickelte ein Gefühl dafür, wann eine Schnecke unsichtbar unter einem Blatt saß. Dadurch wuchs sie, und sie wurde schnell noch fetter und damit noch schöner.

Aber irgendwann mal war das leichte Leben vorbei, und ihre Eltern erzählten ihr, dass sie nun langsam zur Schule gehen müßte, um etwas zu lernen Kröten unterliegen auch der allgemeinen Schulpflicht, und sie konnte sich da wohl nicht widersetzen. Schön, dachte sie, das ist mal etwas anderes, und auf der Schule treffe ich bestimmt eine Menge Kröten, und wir können uns viel erzählen.

Gesagt, getan, der große Tag rückte näher, und die Kröte freute sich mächtig, ja sie war sogar schon ziemlich früh wach, um ganz sorgfältig ihre Mappe zu packen. Die Eltern halfen ihr dabei und sagten, "Pass gut auf in der Schule, und höre auf deinen Lehrer" und dann gaben sie ihr noch ein paar fette Käfer mit auf den Weg, streichelten zum Abschied über die beiden großen Warzen am Hinterkopf und glucksten noch lange hinter ihr her.

Der Schulweg war ganz schön lang und sie mußte durch Landschaften hüpfen, die sie noch nie vorher gesehen hatte aber irgendwann sah sie das Schulgebäude auf der anderen Seite eines großen Tümpels. Man konnte es daran erkennen, dass ganz viele Paddelwellen, wie sie Kröten im Wasser hervorzurufen pflegen, in diese Richtung rollten, und außerdem stand vor dem Schulgebäude eine riesige Kröte und winkte glucksend. Man konnte auch schon ein langgezogenes Dauerquaken hören, wenn man sich darauf konzentrierte, und unsere Kröte beeilte sich, um nicht die letzte zu sein.
Irgendwann hatte sie endlich das Ufer erreicht, und es war doch alles sehr aufregend und ungewohnt für sie, und sie hüpfte des- halb schnell durch die Schultür und setzte sich auf den nächst- besten Stuhl.

Das Quaken wurde langsam leiser, der Lehrer kam und begrüßte alle mit einem lauten aber freundlichen 'Kwoark',woraufhin alle antworteten. Dann fing er an die Anwesenheit zu kontrollieren, und dabei traute sich unsere Kröte zum ersten Mal zu den anderen hinüberzublinzeln.
Dabei hätte sie fast vergessen zu glucksen, denn was sie dort sah, hatte sie dann doch nicht erwartet.

Da waren zwar vereinzelt noch ein paar Erdkröten, aber auch eine riesige Menge von ganz unbekannten, ja fremdartígen Gestalten Sie mußte fortwährend entgeistert um sich blicken, während der Lehrer die Namen aufrief, und dabei hörte sie zum ersten Mal, dass es auch noch andere Kröten gab, Wechselkröten, Kreuzkrö- ten, Knoblauchkröten, Schaufelkröten und sogar Geburtshelferkröten. Sie sahen auch alle anders aus, krötig zwar, aber eigentlich doch sehr merkwürdig, und sie rückte schnell näher an eine andere Erdkröte heran und traute sich wieder zu glucksen.
Da gab es kleine und ganz kleine, und manche waren kaum noch von einem Frosch zu unterscheiden, wie die beiden Schaufelkröten hinten links beispielsweise, mit ihren roten herzförmigen Flecken an den Kopfseiten, da, wo eigentlich zwei Warzen zu sein hatten. Und überhaupt diese unbekannten und manchmal doch sehr auf- dringlichen Farben. Es gab grün und gelblich und grau oder ein großes grünes Kreuz über den ganzen Rücken und sogar mal einen rötlichen Bauch!

Unsere Kröte war entsetzt, und sie schaute sich schnell nochmal um, aber da waren ja glücklicherweise noch fünf andere Erdkröten, die genauso aussahen wie sie selbst, und das beruhigte sie wieder ein bisschen.
Sie kramte dann schnell in ihrer Mappe und schenkte einer Erdkröte, die hinter ihr saß und auch ziemlich irritiert gluckste, den schillernden Käfer, damit sie sich schon mal ein bisschen anfreun- den konnten.

Alle anderen machten ja eigentlich nichts Ungewöhnliches, sie verhielten sich im Grunde genommen doch schon ziemlich krötig, und auch sie glucksten ein bißchen irritiert und waren inzwischen auch schon näher zusammengerückt oder tauschten Spinnen gegen Köcherfliegen.
Der Lehrer war dann fertig mit seiner Anwesenheitskontrolle und klappte das Kursbuch zu. Er hatte wohl irgendwas gemerkt, denn er hielt eine lange Rede über die Bedeutung der Kaulquappenerziehung und über Gleichheit und Gerechtigkeit und schloss mit den Worten "alle in einem Tümpel".

Am Ende des Schultages tappte unsere Kröte ziemlich verwirrt und nachdenklich nach Hause, und sie lief über weite Strecken noch mit den anderen Erdkröten zusammen. Ihre Eltern warteten schon mit dem Essen und fragten, wie denn der erste Tag gewesen sei, und sie sagte nur, immer noch nachdenklich, "ooch, ganz nett", und weil der erste Tag doch ganz schön anstrengend gewe- sen war, ging sie gleich nach dem Essen ins Bett.
Dort ttäumte sie noch ein bisschen von riesigen krötenähnlichen Gestalten, die über ihr zusammenschwappten und Sah mt und griiii und gran, bis die Müdigkeit doch stärker war als die Angst und sie einschlief.
Am nächsten Morgen hatte sie dann wieder etwas Mut gefasst, und sie hüpfte eigentlich doch schon ein bisschen neugierig zur Schule, quakte dabei sogar manchmal leise vor sich hin. Unterwegs traf sie ein paar der anderen Erdkröten, und zusammen fühlten sie sich schon ganz gut.

Die Schule begann, und sie lernten viele Dinge, von denen sie noch nie vorher gehört hatten. Sie lernten die Berechnung der ballistischen Kurven von Schnellkäfem, die Spektralanalyse von Glühwürmchen und simulierten die Zufallsflugbahnen von Kohlweißlingen.
Es war ziemlich interessant, aber auch anstrengend, und darum gab es zwischendurch auch immer mal wieder eine längere Pause.

Und in der zweiten Pause geschah es dann: Die Schaufelkröten hatten mehrere kleine Kröten um sich versammelt und tuschelten und grinsten hinter vorgehaltener Schaufel, und die anderen Kröten zeigten lästernd auf die Erdkröten. "Mein Gott, was sind die häßlich fett, wie kann man denn so aussehen!"

Unsere Kröte bekam einen Schreck und fühlte Wut und Tränen in sich aufsteigen, und sie hopste erregt mit drei anderen Erdkröten hinüber zu der gemeinen Lästergruppe, aber die rannte blitzschnell kichernd auseinander, und die Schaufelkröten hatten sich schon längst eingebuddelt. Zurückgeblieben war nur eine etwas zerfledderte Modezeitschrift mit dem Namen BUFO.

Was sollten sie jetzt machen, die anderen waren ja nicht einzuholen, also blätterten sie beleidigt in der Zeitung. Aber dadurch wurde es noch viel schlimmer, denn auf den Fotos sah man nur durchgestylte Kröten mit Lidschatten und bunten Strähnen über den beiden dicken Warzen, und überhaupt sahen sie alle, auch die Erdkröten, ziemlich dünn aus. Es wurde auch viel geschrieben über Dünnsein in fünf Tagen oder Vorher-Nachher oder Tofu- Schnecken-Menü. Und die Kröten auf den Bildern machten irgendwie alle so merkwürdige Verrenkungen und zeigten sich absichtlich von ihrer schmalsten Seite.

Unsere Kröte war entsetzt, und ein paar andere glucksten seufzend oder schnufften vor sich hin. In der nächsten Stunde wurde es noch schlimmer. Immer wenn sich eine der Erdkröten gemeldet hatte, ging ein Zischeln durch die Klasse, und sie sah viele vorgehaltene Hände und Schaufeln. Die Erdkröten saßen jetzt schon alle dicht beisammen, wie sonst nur beim Winterschlaf, und es ging ihnen gar nicht gut. Der Lehrer merkte das zwar, aber er reagierte kaum, solange die Kröten nicht den Unterricht störten, er sagte nur manchmal "pssssst" oder "jetzt lasst doch mal die Erdkröten in Ruhe, die können doch nicht dafür, dass sie dick sind". Aber dadurch wurde das Prusten und Zischeln nur noch lauter, und unsere Kröte hatte gar keine Lust mehr, sich zu melden, und auch die anderen fünf waren sichtlich in sich zusammengesunken.

Auf dem Heimweg hatte unsere Kröte nur noch Tränen in den goldenen Augen und sie hätte dadurch beinahe einen Storch übersehen, der aber glücklicherweise gerade mit der Federpflege beschäftigt war.

Und als die Eltern sie beim Abendbrot wieder nach dem Tag fragten, da brach sie in lautes Schluchzen aus, und ihre beiden dicken Warzen vibrierten dabei ganz beängstigend. Sie hatte auch überhaupt keinen Appetit imd interessierte sich zum ersten Mal in ihrem Leben nicht mal für den dicken Tauwurm auf ihrem Teller. Die Eltern waren sehr bestürzt und fragten, was denn los sei, und sie sagte nur mit erstickendem Glucksen "Ich bin fett". Die Eltern waren fassungslos, und dann erzählte sie ihnen die ganze Geschichte unter vielen Tränen und langgezogenen Glucksern. Dabei nahmen die Eltern sie wieder in die Arme und streichelten vorsichtig über die zwei dicken Warzen am Hinterkopf, und die Tränen wurden langsam weniger. "Mach dir keine Sorgen, wir finden dass du schön bist, aber wir können ja mit dir morgen mal zu der alten Unke in der Senke am Kiesteich hüpfen, die weiß bestimmt Rat", und unsere Kröte war einverstanden, weil sie ja dann nicht zur Schule gehen musste.

In dieser Nacht trämnte sie nur noch von enggeschnallten Gürteln und eingezogenen Bäuchen, und es wurde ihr richtig schlecht dabei, und sie musste zmn ersten Mal in ihrem Leben die Grille vom Frühstück wieder auswürgen.

Am nächsten Morgen wurde ein Springfrosch mit der Entschuldigung zur Schule losgeschickt, und dann hüpften sie zu dem Kiesteich und die Eltern nahmen sie dabei in die Mitte.

Die Unke, sie hatte ja früher schon manchmal geheimnisvolle Geschichten über sie gehört, sah schon sehr unheimlich aus, klein und listig mit einem gelben Bauch, aber sie hatte eine angenehme, glockenähnliche Stimme, und sie machte sich gleich ans Werk. Zwischendurch murmelte sie manchmal vor sich hin, es hörte sich an wie "hhmmff, hhmmff" und "whhff, whhff" und dann rührte sie in einem Seerosenkelch und goß etwas Braunes in ein Glas, und auf dem Glas stand 'DIÄT'. Dann hüpften sie nachdenklich nach Hause, nachdem die Mutter erst noch ein paar leckere Schmeißfliegenlarven für die Unke dagelassen hatte.
Zu Hause angekommen, mußte die Kröte gleich drei Löffel DIÄT schlucken, und es schmeckte widerlich, wie eine Mischung aus Ölkäfertunke und Feuerwanzenrisotto, aber die Kröte schluckte es tapfer, weil sie ja endlich richtig schön sein wollte, wie die Kröten in der Zeitung, und vor allem sollten die anderen nicht mehr lachen.

Sie schluckte regelmäßig drei Löffel DIÄT und verlor dabei auch langsam die Lust am Schneckenaufspüren, weil sie inzwischen wieder viel mehr Zeit vor dem Spiegel verbrachte. Dort stellte sie sich in Positur und probierte auch schon mal einen Spagat, aber nur, wenn die Eltern nicht in der Nähe waren. Jeden Morgen stellte sie sich auf die Waage, um zu überprüfen, ob sie inzwischen schon ein paar Gramm weniger wog. Und richtig, es klappte, am fünften Tag stand der Zeiger nicht mehr oben in der Mitte, sondern etwas weiter links davon, und im Spiegel sah ihre Haut schon nicht mehr so aufgedunsen aus, eher etwas runzlig. Sie fühlte sich zwar ungewohnt schlapp, aber am nächsten Tag wollte sie wieder zur Schule gehen.

Sie war schon frühmorgens wach, hatte schön geträumt von grazilen Krötenschenkeln und einem nach innen gewölbten Bauch, und die Frühstücksgrille ließ sie im Toaster verkohlen.

Der Schulweg war eigenartigerweise wesentlich anstrengender als sonst, und sie konnte sich vor lauter Schwäche gerade noch unter eine alte abgefallene Eichenborke schleppen, weil sie den Storch nicht mal mehr bemerkt hatte. Aber ihre Haut sah inzwischen schon fast so aus wie die Eichenborke, und der Storch merkte nichts.

Im großen Tümpel vor der Schule wäre sie dann tatsächlich beinahe ertrunken, weil sie ja ständig den Bauch eingezogen hatte und der Auftrieb dadurch wesentlich geringer war. Aber sie schaffte es mit letzter Kraft und tappte müde zu ihrem Stuhl. Da saß sie dann blass und erschöpft und konnte dem Unterricht gar nicht so richtig folgen, weil auch ihr Herz ziemlich laut schlug. Das würde sie bestimmt nicht jeden Tag schaffen, dachte sie verzweifelt und blinzelte hinüber zu ihrer Nachbarin, die eine rote Strähne im Gesicht hatte und einen ganz engen Gürtel, so daß sie fast überhaupt nicht mehr glucksen konnte und auch schon ziemlich blau im Gesicht war. Die anderen lachten und kicherten in dieser Stunde nicht, aber das taten sie wohl deshalb nicht, weil keine Erdkröte im Unterricht etwas sagte. Sie bekamen darum vom Lehrer jede eine Fünf, aber das war nicht so schlimm wie das Lästern der anderen.

In der Pause trafen sie sich dann auf dem Hof und die anderen interessierten sich nicht für sie, sie blätterten auch wieder in der BUFO.

"So kann es nicht weitergehen", sagte eine Erdkröte, "ich fühle mich so schlecht", und eine andere zitterte nur so vor sich hin. "Wir werden so keinen Schulabschluss kriegen, und ich wollte doch Kfz.-Mechatroniker werden".
Die Kröten sahen sich gegenseitig an, rückten zusammen und fingen an zu tuscheln. Dabei zeigten sie manchmal auf die anderen mit der Zeitung und ließen zweimal ein warnendes "Kwoark" hö- ren. Die anderen tippten sich an die Stirn und rannten weg. Sie hatten sich für den Nachmittag verabredet, und pünktlich um 16 Uhr kamen alle Sie gingen in den Garten und machten ganz merkwürdige Sachen, die eigentlich ziemlich unkrötig waren. Erst beseitigten sie alle Gürtel und Haarsträhnen, und dann machten sie Kniebeugen und Liegestütz und hüpften in Zehn Komma Null die hundert Zentimeter. Eine Kröte konnte sogar mit einem Handkantenschlag eine Johannisbeere zerteilen und eine andere zeigte ihnen, wie man eine Treibjagd auf Laufkäfer machen musste oder wie man energiesparendes Hüpfen durch einen Dreisprung wesentlich effektiver gestalten konnte. Nach einer Stunde Seilhüpfen und nach dem 50 000 Zentimeter Hindernislauf über Bauer Knothes Stoppelfeld sanken sie erschöpft aber glücklich unter ein Rhabarberblatt und schliefen eine Stunde oder vielleicht auch zwei.

Nach dem Aufwachen hatten sie einen richtigen Erdkrötenhunger und unsere Kröte zeigte den anderen ihre Blattschneckentechnik, und sie schwelgten und schmatzten und glucksten, dass es eine Freude war, und dann holten sie alle ihre DIÄT und kippten sie mit großem Schwung und lautem Absingen des Tipperary-Songs in den Komposthaufen.

Am nächsten Morgen war die Kröte noch früher wach als sonst, die Eltern wunderten sich schon, und sie machte schnell noch ein paar mal 'Muskeln' vor dem Spiegel, hüpfte mit einem eleganten Dreisprung in die Küche und steckte fünf Grillen und eine Schaumzikade in den Toaster. Die Mappe war schnell gepackt und die letzte Grille britzelte noch auf ihrer Zunge, als sie schon aus dem Haus war. Die Eltern vergaßen fast hinterherzuglucksen.

An der großen Stinkmorchel, da wo der Weg sich gabelte, traf sie die anderen fünf, und sie boxten sich zur Begrüßung in die dicken Bäuche und grinsten dabei. Unterwegs machten sie noch ein bisschen Wettlauf, und sie konnten sich gerade noch gegenseitig davon abhalten, eine Treibjagd auf den Storch zu versuchen.

Es war noch niemand in der Schule. Man konnte es daran erkennen, dass der Fahrradständer noch leer war, und deshalb setzten sie sich neben die Stufen der Eingangstür und warteten. Dabei machten sie gegenseitig noch mal auf 'Bauch', ließen ihre Muskeln spielen und summten im Kanon den Wilhelm-Tell-Twist.

Bald kamen die ersten beiden Knoblauchkröten, sie blinzelten kurz herüber, verdrückten sich dann aber vorsichtshalber in den Wegerich vor der Raucherecke.
Und die Erdkröten hielten sich demonstrativ die Nasen zu und rollten mit ihren goldenen Augen. Vor den Kreuzkröten bekreuzigten sie sich, und die Schaufelkröten wurden völlig ignoriert.

Dann kam der Lehrer, und es gab erst mal wieder Unterricht. Die Erdkröten meldeten sich ständig und immer abwechselnd, so dass die anderen kaum drankamen, und wenn das doch einmal passierte, dann grinsten die Erdkröten und ließen die dicken Hinterkopfwarzen drohend anschwellen. Es gab dann auch bald ein paar Einsen und Zweien vom Lehrer, und dann ging es in die Pause.

Die Erdkröten hatten einen riesigen Berg Tauwürmer dabei und schmatzten und gnatzten und schlürften, und es ging ihnen gut. Die anderen tuschelten zwar manchmal oder warfen schräge Blicke, aber ansonsten gab es keine besonderen Vorkommnisse irgendwelcher Art, außer vielleicht, daß eine Erdkröte einmal einer Wespe einen Kinnhaken verpaßte, als diese einer Geburtshelferkröte an die Warzen wollte. Die Schaufelkröten hatten die allerneueste BUFO-Ausgabe verbuddelt, und die Geburtshelferkröte holte sie nach einer Weile beschämt hervor und legte sie in die Nähe der Erdkröten.

Die waren zunächst natürlich überhaupt nicht an dieser 'Angeber'-Zeitung interessiert, aber dann blätterte ein Windstoß ein paar Seiten auf, und die Kröten trauten ihren Augen nicht. Da waren nur noch Bilder von fetten Bäuchen zu sehen, und eine berühmte Sängerin wurde vorgestellt, die auch ganz schön dick war, eine Agakröte aus Trinidad, und überhaupt musste man denken, dass Fettleibigkeit Krötigkeit bedeutete.

Die Erdkröten amüsierten sich darüber, denn inzwischen war ihnen 'schnurzpiepegal',was nun in der Krötenmode gerade mal 'In' war, und überhaupt, was hatte so eine Zeitung schon zu sagen. Sie klatschten sich auf ihre dicken Bäuche und machten vielsagende Gesichter, als sie merkten, dass die Schaufelkröten versuchten, sich heimlich aufzuplustern und die Wechselkröten einen merkwürdig breiten John Wayne-Gang übten und auf dem Heimweg brachen sie in schallendes Gelächter aus, aber erst als die anderen Kröten außer Sichtweite waren.

Und sie gingen zufrieden und vergnügt bis zur großen Stinkmorchel und die Erdkrötenwelt war wieder in Ordnung. Hauptsache sie kamen nicht wieder mal auf die Idee DIÄT zu schlucken.

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