Als Kinder haben wir ja alle früher mal gelernt, wie ein Fisch aussieht - wie ein Fisch auszusehen hat:

Längerer, stromlinienförmiger Körper, mehrere Flossen an den richtigen Stellen und dann noch eine Menge silberner Schuppen über den Körper verteilt.
Als Aquarianer in fortgeschrittenem Alter hatte ich mich schon damit abgefunden, dass dieses Prinzip beibehalten werden würde - mit gewissen Abstrichen was die Größe, Form und Farbe der Fische betrifft - aber letztendlich waren es immer klassische Fische.

Eines Tages aber kam meine Welt der Kindheit ins Schwanken:
Ich hatte wieder mal ein Zoogeschäft betreten und sah beim genaueren Hinsehen in einem der Becken etwas dunkles, lebendes mit wüsten Antennen überall am Kopf - "Antennenwels, Ancistrus" sagte der Händler.

Der Wels sah eher wie ein Alien als ein Fisch aus und mehr und mehr kam meine Faszination für dieses Ungetüm empor. Natürlich kaufte ich den Wels - zusammen mit einem Weibchen.

Diese Welsart der Gattung Ancistrus ist inzwischen nicht mehr näher zu bestimmen - mehr oder weniger jeder hat ihn in seinen Aquarien - entweder aus den Gründen, aus denen ich ihn damals gekauft habe, oder, was keine Tierart verdient hat, als sog. Funktionsfisch zum Algenbeseitigen.

Dieser Wels ist auf jeden Fall kein Ancistrus dolichopterus L183 (das ist nämlich der auf dem folgenden Bild!) obwohl er bei vielen Händlern immer noch so bezeichnet wird.

Martin Grimm sagt dazu folgendes:
Lange Zeit wurde dieser Artname für den handelsüblichen "Braunen" Antennenwels mißbraucht und L 183 als Ancistrus hoplogenys bezeichnet. Ancistrus hoplogenys ist jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit der als L 59 vorgestellte Ancistrus. Am einfachsten lassen sie sich an der Anzahl der Rückenflossenstrahlen unterscheiden. Ancistrus dolichopterus hat als einzige Art der Gattung Ancistrus acht bis zehn Weichstrahlen in der Rückenflosse, L 181 z.B. hat, wie üblich, nur sieben.

Der erste Antennenwels (Abb. ganz oben) wird inzwischen als Brauner Antennenwels unter der Bezeichnung Ancistrus sp. geführt. Die Fortpflanzungsrate ist sehr hoch, es sind inzwischen mehrere Mutationen aufgetreten.

Es gibt natürlich Albinos - gelbe Ancistren mit roten Augen

und auch eine andere xanthoristische Form, den Ancistrus sp. L 144 aus Paraguay.

Allen gemeinsam aber sind immer diese Antennenkränze am vorderen Kopfteil, die bei den Männchen meistens sehr ausgeprägt sind und bei den Weibchen der Ancistren gar nicht vorhanden oder nur schwach zu sehen sind.

Eine weitere Mutation ist der sogenannte Schildpatt-Ancistrus, Ancistrus sp. schildpatt.

Die Körperfarbe der Ancistren ist sehr variabel; es gibt z.B. schöne Netzmuster wie beim Ancistrus tamboensis.

Oder Muster und "Geweihformen" wie beim Ancistrus pirareta.

Manchmal sind sie wunderschön gezeichnet und sehen aus wie ein Mitternachtshimmel wie z.B. der Brillant-Ancistrus L 107. Dieser Ancistrus soll nicht so ganz einfach in seiner Fortpflanzung im Aquarium sein, da seine Brut einen pH-Wert unter 5,5 braucht, um zu schlüpfen.

Die Krönung aber was das Aussehen wie ein Alien betrifft ist für mich mit Sicherheit der Ancistrus ranunculus.

Dieser Ancistrus ist erstmal nicht leicht zu bekommen und sehr oft leiden die Tiere unter den Transportfolgen und sterben bald. Die Nachzucht ist wohl auch nicht so einfach, obwohl sie inzwischen schon gelungen ist. Die Weibchen dieser Ancistrusart haben hier auch ausgeprägte Antennen, aber im Vergleich zu den Männchen nur einen Kranz.