Beschreibung:

Diese Welsart, genannt "Schokoladen-Zebrawels", scheint an sich nichts Besonderes zu sein, gibt es in der Gattung Hypancistrus doch mehrere Arten mit einem Streifenmuster. Die Grundfarbe dieser Art ist dunkelbraun, das mit einem hellen, weißgelben Wurmlinienmuster oder Streifen durchzogen ist. Das Zeichnungsmuster setzt sich auf den Flossen fort. Vom äußeren Erscheinungsbild erinnert der L270 an L129, L199 und L316 (ebenfalls Vertreter der Gattung Hypancistrus).
Insgesamt gesehen ist der L270 ein hübscher Wels.
Ich halte seit einem Jahr eine Gruppe von vier Tieren, die ich vermehren möchte. Ich habe bis jetzt noch keinen umfassenden Artikel über die Nachzucht oder die Haltung gefunden. Ich werde mich also bemühen, die besten Bedingungen für den L270 herauszufinden. Als Grundlage nehme ich Bedingungen, die ich in Artikeln über Hypancistren in verschiedener Literatur gefunden habe.

by Ingo Seidel

Vorkommen:

Der L270 stammt aus dem Rio Curunà-Una, einer der kleineren Flüsse zwischen dem Rio Tapajos und dem Rio Xingu, die den südlichen Amazonas entwässern. Seit dem Ende der 70er Jahre befindet sich in seinem Unterlauf ein Wasserkraftwerk, welches die Stromversorgung der Stadt Santarèm sicherstellt. Etwa 4 Kilometer unterhalb der Staumauer des Wasserkraftwerkes sind Felsen in eine Stromschnellenzone. Dort scheint sich der bevorzugte Lebensraum von L270 zu befinden.
Der L270 wurde erstmalig in der DATZ 11/98 als aus dem Rio Tapajos kommend vorgestellt. Damals wusste man nur, dass diese Welse von Itaituba (am Tapajos gelegen) als Sammelstation importiert werden und dachte deshalb, sie kommen aus dem Rio Tapajos. Von Itaituba verläuft aber eine Straße zum Rio Curunà-Una. Und in dem Fluss wurden sie wirklich gefangen. Später fuhr Frank Warzel an den Curunà-Una, fing dort Fische, unter anderem auch wieder den L270. Er las jedoch, dass L270 aus dem Rio Tapajos stammen sollte, so dass noch mal eine neue L-Nummer für diese Art vergeben wurde (L287). Da L287 jedoch dort zum zweiten Mal vergeben wurde, erhielt dieser Wels noch mal eine andere L-Nummer (L307).
L270 ist also identisch mit L307.

Ernährung:

Wie oben bereits erwähnt, gehört der L270 in die Gattung Hypancistrus. Erkennbar ist es unter anderem an der Bezahnung dieser Loricariiden. Die Welse haben nur wenige Zähne mit zwei Spitzen. Diese Art der Bezahnung ist für das Abweiden von Aufwuchs ungeeignet. Gemäß Ingo Seidel sind die Welse der Gattung Hypancistrus Allesfresser (Omnivor). Durch Beobachtung verschiedener Welsfreunde und Züchter kann man mittlerweile sagen, dass Hypancistren als junge Tiere viel Grünfutter zu sich nehmen. Sie machen auch vor Aquarienpflanzen nicht halt, und können aufgrund ihrer Zahnstruktur auch hartblättrige Pflanzen, z.B. Anubias schädigen. Im Alter sind sie dann jedoch fast reine Fleischfresser.

Meine Welse fressen alle Arten von TK-Futter. Auch Spirulina-Tabs werden sehr gerne genommen. Gemüse ist, wie bereits oben erwähnt eine andere Geschichte.
Bei meinen juvenilen Hypancistren ist Gurke der absolute Favorit. Aber auch Zucchini, Salat und Kartoffel ist zu empfehlen. Paprika und Karotte wird hingegen nicht so gerne genommen.

Geschlechtsunterschiede:

Der L270 erreicht eine Endgröße von 10-12 cm. Ab einer Größe von etwa 6-8 cm wird der L270 geschlechtsreif. Als deutlichstes Geschlechtsmerkmal ist dabei der sekundäre Geschlechtsdimorphismus zu sehen. Die Männchen haben einen viel stärkeren Bewuchs mit Odontoden auf der gesamten Rückenpartie und dem ersten Brustflossenstrahl. Am stärksten bestachelt in der Gattung Hypancistrus sind hierbei meiner Meinung nach der L129 und L66. Weiterhin ist bei den Männchen der Interoperculum stärker bestachelt.

Zucht:

In der Zeit, in der dieser Artikel entsteht, läuft bei mir gerade ein Zuchtversuch. Meine Gruppe besteht aus einem Männchen und drei Weibchen. Die L270 befinden sich bei mir in einem Artenbecken, in denen außer ihnen noch L66 und L262 leben. Das Becken ist mit Bodengrund, bestehen aus Kies mit einer Körnung von 2-3 mm, ausgestattet. Im Aquarium befinden sich Holzwurzeln und eine große Anzahl verschiedener Tonröhren. Die Röhren sind selbst hergestellt und variieren in Länge und Durchmesser. Die Bepflanzung ist als spärlich anzusehen. Die Temperatur ist auf 29 C eingestellt. Ich wechsele etwa alle drei Tage ca. 50 % des Wassers. Dabei wird das Wasser durch Leitungswasser ohne Zusätze ersetzt. Das frische Wasser ist etwas kühler. Ich lasse dabei die Heizung ausgeschaltet, so dass sich die Temperatur auf etwa 25C einpendelt. Beleuchtet wird das Becken bei mir 9 Stunden. Zusätzlich zum Außenfilter habe ich noch eine Strömungspumpe installiert, die so platziert ist, dass die Strömung auf den Höhleneingang zuläuft.
Eines meiner Weibchen hat bereits einen deutlichen Laichansatz. Ich hoffe, dass das Weibchen in den nächsten Tagen ablaicht.

Nachdem etwa ein dreiviertel Jahr vergangen ist, wo ich mit den Schreiben dieses Artikels begonnen habe, möchte ich ihn hiermit vervollständigen.

Misserfolg und Frust:

Es dauerte auch nicht lange und ein Pärchen zog sich in die Höhle zurück um dort zusammen drei Tage zu verbringen. Nachdem das Weibchen die Höhle verließ, versuchte ich mit einer Taschenlampe in die Höhle zu schauen. Das Männchen verdeckte aber den Eingang der Höhle mit seinem Körper so geschickt, dass ich nicht in die Höhle schauen konnte. Es vergingen zwei Tage und meine Erwartung steigerte sich. Als ich morgens in das Becken schaute konnte ich sehen, dass das Männchen die Eier abgestoßen hatte. Sie waren verpilzt. Es kam dann in der nächsten Zeit auch zu keiner erneuten Eiablage.
Ein paar Wochen später starb dann das größte Weibchen. Der Frust bei mir wurde immer größer.

Der Erfolg:

Ich setzte daraufhin die gesamte Gruppe in ein eigenes Becken, welches schon lange eingefahren war. Kurz darauf stellte sich dann der ersehnte Erfolg ein.
Ein junges Weibchen gesellte sich zu dem alten Männchen. Sie blieben einige Zeit zusammen in der Höhle. Als das Weibchen die Höhle verließ, konnte ich ein Gelege erkennen. Ich konnte dreizehn Eier zählen. Die Eier hatten einen Durchmesser von etwa 5mm. Sechs Tage später schlüpften dann die Jungen. Sie hatten einen riesigen Dottersack, der so groß wie das ganze Ei war. Im laufe der nächsten Tage wurde der Dottersack von den Larven aufgezehrt. Nach einer Woche begannen sich die Larven, am Kopf beginnend, zu pigmentieren. Es dauerte 12 Tage, bis der Dottersack aufgezehrt war. Als die jungen Welse die Höhle verließen, begannen sie sofort mit der Futtersuche. Ich fütterte im Becken ganz normal weiter. Außerdem hatte ich fast jeden Tag ein neues kleines Salatblatt in dem Becken. Am Salatblatt konnte man sehr gut sehen, ob die kleinen gefressen hatten. Nach etwa 3-4 Wochen hatten die kleinen eine Gesamtlänge von 22-26 mm erreicht.

Fazit:

In meinen Augen ist der L270 ein idealer Aquarienfisch. Er wird nicht zu groß, stellt keine großen Ansprüche an die Wasserwerte und die Ernährung. Die Pflege ist relativ einfach, hat man dann noch eine Gruppe mit Tieren beider Geschlechter, dann ist mit etwas Geduld die Nachzucht auch nicht schwierig.

Olaf Janßen

Weiterer L 270 - Bericht