Im Oktober 1999 gab mir G. Ott (Flensburg) den Tipp, die Wasserwechselintervalle meiner Aquarien (ca. 70 Stück) mit dem Leitwert zu bestimmen.
Meine Panzerwelse reagieren auf zu späten Wasserwechsel mit Barteln- und Flosseneinschmelzung, Wachstumsverringerung und bei C. panda mit Verringerung des Augeninnendrucks (dh. die Augäpfel fallen ein).
Ich fing an, bei einigen guteingelaufenen Aquarien, besetzt mit 2-3 cm grossen Panzerwelsen verschiedener Arten, täglich den Leitwert zu messen. Dazu benutzte ich das Messgerät "DIST 3" von Hanna (ca. 50,- ). Nach zwei Monaten stellte sich folgender Leitwertverlauf heraus: Wasser frisch aus der Leitung 300 µS/cm (10-11 dGH, 3-4 dKH, 7,8 ph, 9 mg/l Nitrat); nach einem kompletten Wasserwechsel fällt der Leitwert auf ca. 285 µS/cm; im Laufe von 3-4 Wochen steigt der Leitwert durch Mineralisierung des eingebrachten Futters und durch Verdunstung auf über 400 µS/cm, ab spätestens jetzt verändert sich das Verhalten der Panzerwelse, sie sind weniger aktiv und fressen deutlich weniger, ab 430 µS/cm bekom-men die Flossen, die mit dem Bodengrund in Berührung kommen, einen milchigen Rand und bei C. panda fangen die Augäpfel zu schrumpfen an.
Aus diesem Test ergab sich für meine Bedingungen folgende Regel:
bei 330 µS/cm ein 30 % Wasserwechsel oder bei 350 µS/cm ein 50 % .
Probleme kann es bei diesem System geben, wenn der Leitwert des Ausgangswasser nicht konstant ist, dann muß nach einem Wasserwechsel der neue Leitwert notiert werden, um dann nach einer Erhöhung des Leitwertes von 15-25 % einen 30-50 % Wasserwechsel durchzuführen.
Alternativ könnte durch einen Nitrattest die Verschlechterung des Wassers gemessen werden, doch dies ist wesentlich umständlicher und auf Dauer teurer als das Messen des Leitwertes.
Folgender Ablauf beim Wasserwechsel meiner Aquarien hat sich bewährt:
Jeden Montag überprüfe ich bei allen meiner Becken den Leitwert. Unter jedem Becken haben ich eine kleine Edelstahlschraube in das Holzregal geschraubt. An diese Schraube hänge ich je nach Leitwert verschiedenfarbige Plastikschlüsselanhänger (Supermarkt 300 Stück 6 Farben 3,- ) an, z.B. weiß bei 30 % Wasserwechsel, gelb bei 50 % Wasserwechsel, rot heißt: Fische krank, orange heißt: Becken herrichten und schwarz heißt: Filter verstopft/ erneuern.
Im Laufe der folgenden Woche erledige ich alle anfallenden Arbeiten, entferne die Schlüsselanhänger danach und schreibe mit einem dünnen Lackstift von Edding, die ausgeführten Arbeiten mit dem Datum auf die entsprechende Aquarienscheibe. So entsteht mit der Zeit eine Art Tagebuch von jedem Aquarium. Entfernen lässt sich die Schrift leicht mit einer Rasier-klinge. Dieses System verwende ich seit Ende 1999 und es hat sich hervorragend bewährt.
Meine Fische wachsen schneller, gleichmäßiger und fast ohne Ausfälle heran. Wann ein Wasserwechsel nötig ist, kann nicht pauschal gesagt werden. Es kommt auf die jeweilige Situation (Fischart, Ausgangswasserwerte, Futter, Filterung und andere Werte) an.
Meine Wild- und Zuchtguppys fingen früher bei 380 µS/cm an zu kümmern (Schwanzklemmen, weiße Flecken auf der Haut), sind also empfindlicher als meine Panzerwelse. Durch Einhängen eines Säckchens mit Korallengrus (ca. 2 g/l ) brauche ich erst bei 450 µS/cm einen 50 % Wasserwechsel durchzuführen. Ich weiß nicht genau was passiert, aber ich vermute, dass dadurch die Karbonathärte nicht ausfällt und der pH-Wert weniger schwankt. Das Einbringen von Korallengrus spart bei meinen Panzerwelsen keinen Wasserwechsel.
Ich hoffe meine Anregungen werden von vielen Aquarianern gelesen und evtl. umgesetzt. Ich jedenfalls spare Zeit und Wasser und weiß trotzdem, dass es meinen Fischen bestens geht. Falls noch Fragen bestehen sollten, könnt Ihr mich gerne telefonisch erreichen.
Kurt Mack 06806/952313

Literaturverzeichnis:
Kassebeer, G. (2002): Der Leitwert in der Aquaristik. - Aquaristik-Fachmagazin & Aquarium heute Nr.163, Jahrgang 34 (1), 39-41, Ott, G. (2000): Schmerlen im Aquarium. - Tetra - Verlag GmbH, Seite 64